Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sammelt Gesundheitsdaten und empfiehlt Massnahmen zur Vermeidung von Krankheiten. Sie betreibt dafür viele Datenbanken und stellt ihre Erkenntnisse der breiten Öffentlichkeit sowie den Behörden zur Verfügung. Ihre Global Database on Body Mass Index (BMI) ist wohl die weltweit grösste und aktuellste Datensammlung zum Gewicht und ermöglicht die Einschätzung von Unter-, Normal- und Übergewicht in den verschiedenen Ländern unserer Erde. Bei den Männern sind weltweit 46 % der Erwachsenen übergewichtig, bei den Frauen immer noch 38 % (siehe Abbildung). Der weltweite Trend: seit 1975 steigend 1.

Abbildung: Aktuelle weltweite Verteilung des Body Mass Indexes. 2

Übergewicht gilt bei körperlich wenig aktiven Menschen als Risikofaktor für die Gesundheit und daher raten die WHO wie auch praktisch alle nationalen Gesundheitsämter zu Massnahmen, um das Gewicht in den Normalbereich zu bringen. Ganz unabhängig davon hegen wohl viele unter uns den Wunsch, das eigene Gewicht zu reduzieren: Goolge liefert beim Suchbegriff «weight loss» 276 Millionen Ergebnisse. Es erstaunt daher nicht, dass auf dem Markt ein regelrechter Wildwuchs an Diäten und Beratungsansätzen zur Gewichtsreduktion herrscht und sich darunter leider viele dubiose Angebote finden.

Ohne fundierte Ausbildung auf den Gebieten der Ernährung, Medizin oder des Sports ist es aber gar nicht so einfach, die Spreu vom Weizen zu trennen und sinnvolle Angebote zu erkennen. Fachleute stufen sehr oft einen langsamen und kontrollierten Gewichtsverlust als sinnvoll ein, da dann mehr Fett und weniger Muskulatur abgebaut werden soll (hierzu werden wir in einem der nächsten Blogbeiträge berichten). Direkt Betroffene wollen hingegen, vollkommen verständlich, möglichst rasch Erfolge sehen.

Dementsprechend stufen Fachleute die raschen Erfolge beim Gewichtsverlust sehr oft und pauschal als Indikator für eine schlechte oder ungesunde Methode ein. Sie vergessen aber dabei, dass die wissenschaftliche Evidenz einen anderen Aspekt klar belegt, der für einen raschen Gewichtsverlust auf der Waage spricht: Wenn Übergewichtige einen möglichst frühen Erfolg beim Gewichtsverlust erfahren, sind sie viel eher motiviert, ihren Lifestyle zu verbessern 3. Was Übergewichtige zudem motiviert, ihren Lifestyle zu verbessern: Wenn sie die Lifestyleveränderung mit einem tieferen BMI beginnen.

Im Bereiche des Übergewichts tätige Fachleute sollten daher die übliche Strategie, möglichst langsam Gewicht zu verlieren, vielleicht überdenken. Denn bei einem raschen Erfolg auf der Waage eröffnet sich für sie als Fachperson eine bessere Gelegenheit, Übergewichtige über einen längeren Zeitraum zu unterstützen und somit einen erzielten Erfolg auch länger zu erhalten. Sinnvolle Methoden zur längerfristigen Gewichtsreduktion können somit durchaus auch einen raschen Gewichtsverlust beinhalten. Sie sollten aber gut durchdacht und an begleitende Massnahmen gekoppelt sein, welche den Übergang von einer Phase der Gewichtsreduktion in die Phase der langfristigen Gewichtserhaltung effizient ermöglichen. Auch hierzu werden wir in kommenden Blogbeiträgen berichten.

Literatur

  1. NCD Risk Factor Collaboration (NCD-RisC). Worldwide trends in body-mass index, underweight, overweight, and obesity from 1975 to 2016: a pooled analysis of 2416 population-based measurement studies in 128·9 million children, adolescents, and adults. Lancet 2017; 390:2627–42.
  2. WHO. Global database on Body Mass Index. 2018. http://apps.who.int/bmi/index.jsp. Zugriff: 21.06.2018.
  3. Burgess E, Hassmén P, Pumpa KL. Determinants of adherence to lifestyle intervention in adults with obesity: a systematic review. Clin.Obes. 2017; 7:123–35.